Was ist der Unterschied zwischen EVG und ZEV?

Im Verlaufe der Jahre haben sich einige Begriffe entwickelt, welche den geteilten Eigenverbrauch von Solarstrom im Mehrparteiengebäude beschreiben. Doch was bedeuten diese verschiedenen Begriffe und welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten?

181115 EVG ZEV Begriffe Erklärt 1.7

Die Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG)…

…hat sich umgangssprachlich als Überbegriff für geteilten Solarstrom durchgesetzt und hat keinerlei juristische Relevanz.
Am 2.12.2014 wurde der Begriff zum ersten Mal in einem Antrag von Jürg Grossen im Nationalrat offiziell erwähnt und wurde daraufhin zum Standard für das Organisieren von Solarstrom, welcher zwischen mehreren Parteien aufgeteilt wird. Die Idee dieser unternehmerischen Liberalisierung fand die Unterstützung von fast allen Nationalräten und wurde nur von 9 Politikern bekämpft.
Das Konzept wurde 2015 eingeführt, jedoch nur unter Auflagen. So war das Messwesen weiterhin an den Verteilnetzbetreiber gebunden und es mussten z.T. ausführliche Vertragswerke von jedem einzelnen Bewohner unterschrieben werden, um Solarstrom direkt vom eigenen Dach beziehen zu können.

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)…

…wurde darauf hin als enger definierter juristischer Begriff kreiert. Dies weil das Wort «Gemeinschaft» in EVG mit dem juristischen Ausdruck einer «einfachen Gesellschaft» verwechselt wurde. Mit einer ZEV ist meistens die Umsetzung von Eigenverbrauch seit dem 1.1.2018 mit privaten Smart-Meters gemeint. Da der Übergang zwischen den «alten» und «neuen» Lösungen fliessend ist und die neuen rechtlichen Grundlagen vor allem eine weitere Liberalisierung darstellen, werden die zwei Begriffe ZEV und EVG oft gleich behandelt.

Das Praxismodell der Verteilnetzbetreiber (Praxismodell VNB)…

…ist eine Lösungsart, welche durch einzelne der über 650 VNB bereitgestellt werden kann. Falls eine EVG umgesetzt wird, jedoch die einzelnen Bewohner direkte Kunden des Verteilnetzbetreibers bleiben, gilt dieses Praxismodell. In diesem Fall werden private Dienstleistungen mit den Monopoldienstleistungen vermischt. Dies ist insofern eine juristische Grauzone, weil weiterhin die Stromversorgungsverordnung (StromVV) für die Verbraucher gilt, jedoch der Monopolist auch Dienstleistungen im privaten Bereich übernimmt. Dieses Modell kann zu zusätzlichen Einsparungen gegenüber privaten Anbietern führen (z.B. durch illegale aber hilfreiche Querfinanzierung der internen EVG Infrastruktur durch den Monopolisten), jedoch auch zu zusätzlichen rechtlichen Risiken, da das «Unbundling» bei einigen Anbietern missachtet wird. Gerichtsverfahren in diesem Bereich können in naher Zukunft für mehr Klarheit sorgen.

Der Mieterstrom…

…beschreibt die juristische Lösung, welche in Deutschland angewendet wird. Vereinzelt wird der Begriff auch in der Schweiz verwendet, wo er sodann als freie Produktebeschreibung für EVG genutzt wird.

Andere Begriffe…

…wie Eigenstrom, Solarstromgemeinschaft, Solargemeinschaft und Eigenverbrauchsgesellschaft werden ebenfalls als alternative Bezeichnung genutzt und müssen sich grundsätzlich an die rechtlichen Vorgaben für ZEV halten. Meistens geht es bei diesen anderen Begriffen um Produktenamen mit einer konkreten Beschreibung durch den Anbieter.